Michèle

Chronische Müdigkeit

Müdigkeit ist Teil unserer Gesellschaft.
Sie wird heruntergespielt. Alle sagen, sie seien müde.
Wie können wir dann den Menschen diese Krankheit erklären?
Ich habe das Gefühl, ich muss mich immer rechtfertigen.
Ich fühle mich nicht verstanden, mir wird nicht geglaubt.

Das Ausmaß der Erschöpfung ist nicht sichtbar…
Ein gesunder Mensch wacht voller Energie auf.
Wenn ich aufwache, sind meine Batterien nur halb voll.

Ich muss genau überlegen, was ich am Tag machen werde.
Stehen zum Beispiel macht mich sehr müde.
Meine Kinder haben ihre Mutter immer nur liegend gesehen.
Eine Mutter, die weinte, weil sie sie nicht zum Fußball fahren konnte.
Weil sie nicht das tun konnte, was jede Mutter für ihre Kinder tut.

Ich habe nebenbei als Lehrerin an einer Hochschule gearbeitet und 29 Jahre lang durchgehalten.
Erst als ich 55 Jahre alt war, hat ein Arzt meine Krankheit erkannt.
Und diese Anerkennung hat mir sehr gutgetan.

Ich glaube, dass wir das akzeptieren müssen.
Man kann nicht von allen verstanden werden.
Das ist Teil der unsichtbaren Beeinträchtigung.
Ich versuche einfach, das Beste aus dem zu machen, was ich habe und wer ich bin. So erreiche ich ein gewisses Gleichgewicht.